Vorstellung

Die „Ecole Pratique d’Agriculture Liweitari“, kurz EPAL, ist ein Subprojekt des Ausbildungszentrums CFL im Norden Benins. Die biologische Landwirtschaftsschule EPAL wurde 2018 vom Gründer des CFL, dem Schweizer Heinrich Roth, ins Leben gerufen, um trotz einer rasant wachsenden Bevölkerung vor dem Hintergrund der Klimaveränderung auf lange Zeit eine ausgewogene Nahrungsmittelversorgung in Benin zu sichern und die natürlichen Wasserreserven zu stärken. Damit ist das Programm nicht nur eine Ausbildung, sondern dient darüber hinaus zur Sicherstellung der menschlichen Lebensgrundlage. 

Verbesserung der Ernährungssituation

Die Ausbildung des EPAL verfolgt den Zweck, die Nahrungsmittelproduktion im ganzen Land zu verbessern. Deshalb ist zusätzlich zur biologischen Landwirtschaft auch der Schutz der Waldbestände und die Erhöhung des Grundwasserspiegels ein grosses Anliegen. Der ökologische Anbau schont die natürlichen Ressourcen und erhöht die Ernteerträge. Mit unterschiedlichen Renaturierungsmassnahmen auf einem 60 ha grossen Gelände in ca. 3 km Entfernung vom CFL wird zudem dafür gesorgt, dass die Trinkwasserversorgung gesichert wird.

Schulungen

Das EPAL begann 2018 mit 3-4 tägigen Schulungen, die über mehrere Monate in verschiedenen Dörfern durchgeführt wurden. Auch heute werden neben der 18-monatigen Ausbildung noch solche Seminare angeboten. Damit sollen möglichst viele Multiplikatoren ausgebildet werden, um die Nahrungsmittelproduktion schnell zu verbessern und den Leuten die Wichtigkeit des Erhalts der natürlichen Ressourcen zu vermitteln.

Forschung

Im EPAL spielt die Forschung eine zentrale Rolle. Unter Berücksichtigung neuster wissenschaftlicher Erkenntnisse wird das Gelände neben dem CFL vorwiegend genutzt, um auf Kleinparzellen Versuche mit schädlingsresistenten Pflanzen und neue Sorten durchzuführen. Auch biologische, selbst hergestellte Schädlingsbekämpfungsmittel werden getestet. Über die Ergebnisse des Anbaus wird genau Buch geführt und alle Erfahrungen fließen in die folgende Kultivierung ein, so dass Pflanzenarten und Zeitpunkt des Anbaus immer weiter optimiert werden. 

Konservierung und Verbrauch der Lebensmittel

Damit für die Bevölkerung das ganze Jahr über und auch in Krisenzeiten immer genug Lebensmittel vorhanden sind, liegt ein Schwerpunkt des EPAL auf der Konservierung von Nahrungsmitteln. Den Auszubildenden werden verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, um Lebensmittel haltbar zu machen. Das EPAL selbst produziert aus geernteten Früchten Säfte und Konfitüre. Ausserdem werden Fruchtscheiben getrocknet. Teilweise werden die resultierenden Produkte auf dem Markt verkauft. In der Regel werden jedoch die Nutzpflanzen, insbesondere die Grundnahrungsmittel wie Mais, Reis und Gemüse für die Küche des CFL verwendet. Für den Anbau dieser Lebensmittel wird hauptsächlich, das 60 ha grosse Gelände genutzt, das ca. 3 km vom Hauptgelände entfernt ist und auf dem auch das Renaturierungsprojekt (siehe unten) stattfindet. Das Ziel ist, dass sich das CFL komplett selbst versorgen kann ohne den Zukauf externer Nahrung.  

Ausbildung im EPAL

Das EPAL als Teil des CFL bildet junge Menschen (der Grossteil der Lehrlinge ist zwischen 16 und 25 Jahren alt) in der biologischen Landwirtschaft aus. Neben dem ökologischen Anbau von Nutzpflanzen spielt auch die Konservierung von Nahrungsmittel eine grosse Rolle in der Ausbildung. Zudem werden von Zeit zu Zeit 3-4 tägige Schulungen in Dörfern angeboten. Der erste Jahrgang der 18-monatigen Ausbildung startete im Oktober 2019.
Anhand der Prinzipien des Programms „Farming God’s Way“ wird den Lehrlingen aufgezeigt, wie durch ökologischen Anbau der Ernteertrag verbessert und die generelle Fruchtbarkeit der Böden aufrechterhalten werden kann. Die konsequente Anwendung der gelehrten Methoden verspricht eine deutliche Erhöhung des Erntevolumens sowie eine langfristige, massive Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit. Es werden keine chemischen Mittel eingesetzt, sondern lediglich rein natürlicher Dünger verwendet. Daher spielt auch die korrekte Herstellung eines düngenden Komposts eine grosse Rolle in der Ausbildung. Zudem wird streng darauf geachtet, die Felder abwechselnd mit unterschiedlichen Pflanzen zu bewirtschaften, um dem Boden nicht alle Mineralien zu entziehen, sondern Zeit Regeneration lassen. Auch wird der Boden konsequent abgedeckt, damit er während der langen Trockenzeit von Oktober bis April nicht austrocknet und damit an Fruchtbarkeit verliert. Über die Ergebnisse des Anbaus wird genau Buch geführt und alle Erfahrungen fließen in die folgende Kultivierung ein. Ebenfalls erhalten die Lehrlinge Einblick in das Renaturierungsprogramm (siehe unten), mit dem der Waldbestand geschützt und der Grundwasserspiegel erhöht werden soll.

Die gelehrte Art der biologischen Bodenbewirtschaftung und die Renaturierungsmassnahmen sind wichtig, um bei einer weiter stark wachsenden Bevölkerung vorhandene Wasserreserven zu erhöhen und die Bodenfruchtbarkeit zu steigern, damit die Menschen in Benin dauerhaft über eine gesicherte Trinkwasser- und Nahrungsmittelversorgung verfügen.  

Renaturierungsprojekt

Einleitung

Seit Anfang des Jahres 2020 wird im Rahmen des EPAL auf einem 60 ha grossen Gelände ein Renaturierungsprojekt umgesetzt. Ziel ist, mit geeigneten Massnahmen den Grundwasserspiegel zu erhöhen und damit die prekäre Situation der Wasserversorgung zu entschärfen.

Ausgangslage

Trotz starker Niederschläge von ca. 1.000 mm pro qm in der Regenzeit trocknet der Boden an vielen Stellen während der Trockenzeit von Oktober bis April stark aus. Somit fließt das Wasser der Regenzeit grossteils ab, ohne in den Boden einzudringen. Als Folge sinkt nicht nur der Grundwasserspiegel dramatisch, sondern auch die Fruchtbarkeit der betroffenen Böden leidet. 

Umsetzung des Projekts

Auf dem 60 ha großen Projektgelände „Kuyie nko menie“, werden mehrere kleinere und grössere Dämme angelegt. Diese werden natürlich in das vorhandene Terrain eingepasst. Zudem wird eine breit angelegte Aufforstung mit einheimischen Baumarten durchgeführt.
Die Realisierung dieses Renaturierungsprojektes erfolgt in mehreren Etappen. Beginnend im Tal und dann nach oben ansteigend wird Schritt für Schritt eine Vielzahl an Naturdämmen verschiedener Grössen errichtet. Die entstehenden Seen und Teiche bleiben miteinander verbunden. Für den Bau der Dämme wird zunächst ein Graben bis zur dichten Lehmschicht ausgehoben. Dieser wird anschliessend mit lehmiger Erde aus dem seeseitigen Aushub gefüllt, verdichtet und danach mit Erdmaterial beidseitig aufgefüllt. Die Kronenbreite der Dämme liegt je nach Höhe zwischen 3 und 4 Metern.
Bei der Umsetzung wird komplett auf den Einsatz von Maschinen verzichtet, um möglichst vielen Einheimischen Arbeit zu bieten und das Know-how dieser Methode zur Umsetzung andernorts weiterzugeben. Aufgrund des hohen Arbeitsaufwandes, werden zusätzlich zu den Lehrlingen und Angestellten des EPAL weitere lokale Arbeiter angestellt.

Auswirkungen

Durch die Umsetzung der genannten Maßnahmen wird erreicht, dass der Bach auf dem Areal wieder ganzjährig Wasser führt. Zudem wird der Grundwasserspiegel in der Region wesentlich erhöht, da das Regenwasser wieder in den Boden eindringen kann. So steht das ganze Jahr, auch während der Trockenzeit, mehr Wasser zur Verfügung.
Weiterhin ist in den Teichen das Betreiben von Fischzucht möglich und die umliegenden Flächen können als wertvolles Agrarland zum Anbau verschiedener Fruchtbäume und Nutzpflanzen verwendet werden. Das zusätzlich zur Verfügung stehende Wasser kann zur Bewässerung bereits bestehende Felder genutzt werden. Somit trägt das Projekt zur Gewährleistung der Nahrungsmittelsicherheit bei bzw. vor allem zur Ermöglichung einer ausgewogeneren Ernährung.
Als weiterer Effekt ist zu verzeichnen, dass die dauerhafte Wasserführung die Verwendung des Baches für weitere Zwecke ermöglicht. So kann der untere Teil des Baches auch während der gesamten Trockenzeit durch die Bevölkerung genutzt werden, z.B. um Wäsche zu waschen.
Auch der Plan, das Projekt komplett mit menschlicher Arbeitskraft und ohne Maschineneinsatz durchzuführen, bringt der Bevölkerung zusätzlichen Nutzen. So finden viele Einheimische Arbeit und können mit dem verdienten Einkommen ihre Familien ernähren. Des Weiteren wird das Wissen, wie die Erhöhung des Grundwasserspiegels möglich gemacht wird, weitergetragen und kann an weiteren Orten ebenso gewinnbringend eingesetzt werden.

Vorteile der Renaturierung in der Kurzübersicht

  1. Erhebliche Erhöhung des Grundwasserspiegels
  2. Fischzucht in Teichen
  3. Nutzung der angrenzenden Flächen als Agrarland
  4. Anbau von Fruchtbäumen und Nutzpflanzen in angrenzenden Flächen
  5. Mehr Wasser für Bewässerung bestehender Felder
  6. Unterer Teil des Baches kann ganzjährig genutzt werden (z.B. zum Wäsche waschen)
  7. Finanzielles Einkommen für viele einheimische Arbeiter
  8. Vermittlung der Wichtigkeit der schonenden Ressourcenverwendung und des Wissens, wie die Umsetzung konkret aussehen kann

Impressionen

Ausbildung im EPAL

Renaturierungsprojekt